Über uns

Vorwort

Seit über 65 Jahren werden in Betzdorf unter dem geschützten Zeichen, zwei sich zur Sonne hin streckende Hände, Waren hergestellt.

Absatzgebiet ist die gesamte Bundesrepublik; so gehören zu diesen Kunden der Blindenwerkstätte Betzdorf auch Namhafte große Firmen aus den unterschiedlichsten Gewerken.

 

Blindenware ist reine Handarbeit und somit gediegener und wesentlich haltbarer. Handarbeit im wahrsten Sinne der Bedeutung des Wortes, denn jeder Handgriff muss ertastet und erfühlt werden. Für viel Mitarbeiter der Blindenwerkstätte gibt es kein Licht und Schatten, um sie herum herrscht ewige Nacht. 

Was hier betrieben wird, ist nun allerdings, um es ganz deutlich hervorzuheben, kein Geschäft mit den Gebrechen hilfloser Personen. Vielmehr ist es die Möglichkeit für Blinde, Sehbehinderte und Behinderte Mitmenschen eine Arbeit zu haben und somit einen Teil der verlorengegangenen Selbständigkeit wiederzuerlangen. Alle unserer Mitarbeiter erhalten ein vollwertiges Gehalt – kein kleines Taschengeld wie es sonst üblich ist.

„Wir sind mehr als eine Arbeitsgemeinschaft – wir sind zu einer Familie zusammengewachsen“, sagte während einer Feierstunde zum 50-jährigen Firmenjubiläum der ehemalige Geschäftsführer Herr Jürgen Röser. 

 

Der Verein:

Die Blindenwerkstätte ist ein wirtschaftlicher Verein. Alles Geld, was eingenommen wird, fließt in die Sicherung und Erhaltung der Arbeitsplätze. Rücklagen dürfen nicht angesammelt werden. Gewinne werden nur satzungsgemäß verwendet. Als selbsttragender Verein gehören wir keinem Dach-Verband an, genießen keine staatliche Unterstützung und finanzieren uns reinweg über den Verkauf von Waren und über das Einnehmen von Spenden.

 

Die Vorgeschichte:

Gründer der Blindenwerkstätte Betzdorf war Heinrich Röser. Nach seinem Kriegsdienst und anschließender Gefangenschaft wurde er als Vertreter für die Hagener Blindenwerkstätte auf die Probleme blinder Menschen aufmerksam. Der Versuch, mit 100 Mitgliedern in Siegen direkt nach Kriegsende eine gemeinnützige Blindenwerkstätte aufzubauen scheiterte vorerst, weil sich dort zunächst nur wenig Blinde für das Projekt interessierten, und Förderer immer mehr an Interesse verloren. Heinrich Röser ließ sich nicht entmutigen. In Betzdorf,  in der Hellerstraße 9, fand er 1949 neue Räumlichkeiten, die seinen Vorstellungen entsprachen. Unter dem Einsatz seines privaten Vermögens gründete er die Blindenwerkstätte Betzdorf/Sieg. Vorangestellt das Motto:

 

„Denk an die Menschen ohne Licht, gib´ ihnen Arbeit, vergiß sie nicht!“ 

 

Eine besondere Freude war dann für ihn, als er für sein Engagement 1982 mit dem Bundesverdienstkreuz am Bande ausgezeichnet wurde. 

Das diese Hilfe durch Selbsthilfe immer noch einen großen Stellenwert besitzt, ergibt die Tatsache, dass bereits weitere Arbeitnehmer an der Blindenschule in Neuwied für den Einsatz in der Blindenwerkstätte Betzdorf ausgebildet werden.

 

1980 übergab Heinrich Röser die Geschäftsführung in jüngere Hände. Seit dieser Zeit leitet Jürgen Röser die Blindenwerkstätte Betzdorf.

 

 

Produkte & Vertrieb

Gefertigt werden in Betzdorf neben diversen Korbwaren hauptsächlich Handfeger, Besen, Bürsten für die unterschiedlichsten Einsatzgebiete. Webwaren werden bei anderen anerkannten Blindenbetrieben aus ganz Deutschland zugekauft. Auch Zusatzwaren wie Reinigungstextilien oder Besenstiele werden geliefert, in den Rechnungen aber gesondert gekennzeichnet. Viele Außendienstmitarbeiter vertreten die Blindenwerkstätte Betzdorf  in ganz Deutschland.

 

Haustürgeschäfte werden von uns nicht betrieben:

Wer Handfeger, Besen, Bürsten, Pinsel, Reinigungstextilien, Arbeitshandschuhe, Papierwaren oder sonstige Produkte an der Haustüre anbietet, und sofort für die Ware Geld verlangt, ist kein Mitarbeiter der Blindenwerkstätte Betzdorf.

Durch viele Trittbrettfahrer, welche oft unseriös auftreten, ist der Ruf aller noch existierenden Blindenwerkstätten sehr in Verruf geraten. Sollten Zweifel entstehen, können diese gerne durch einen direkten Anruf bei uns, oder bei unserem Blindenverband www.bsab-ev.de ausgeräumt werden. Oder Sie besuchen uns direkt in Betzdorf, und nutzen unseren Lagerverkauf.

 

Ohne Sehende aber, wäre ein derartiger Betrieb gar nicht aufrecht zu erhalten. Von den insgesamt 36 Mitarbeitern (mit rund 21 Festangestellten) versorgen z.B. Körperbehinderte Mitarbeiter unsere 16 blinden & sehbehinderten Kolleginnen/Kollegen mit Arbeitsmaterial, oder übernehmen die Verpackungsarbeiten. Einem eingespielten Team obliegen die Büroarbeiten, und auch hier geben wir sehbehinderten Menschen Arbeit.

 

 

Die Räume der Blindenwerkstätte selbst sind nicht mehr zu vergleichen, mit antiquierten Ansichten muffiger Besenbinderstuben längst vergangener Zeiten. Unsere Räumlichkeiten wurden immer wieder auf die Lebensumstände der Belegschaft zugeschnitten.

Heutzutage stellt der Arbeitsbereich in der Werkstatt einen großen lichtdurchfluteten, klimatisierten und angenehmen Arbeitsplatz dar.

Werkbänke und Maschinen sind so installiert, dass blinde & sehbehinderte Mitarbeiter sich mühelos daran zurechtfinden. Die Arbeitsplätze sind so hergerichtet, dass sich die Nichtsehenden ohne Hilfe anderer Personen bewegen können.

 

Ohnehin ist der sehende Besucher verblüfft, kommt er in die Werkstatt und spricht mit den blinden Mitarbeitern, wie schnell sich Grenzen verwischen. Er nimmt deren Behinderung überhaupt nicht wahr, so unkompliziert ist das Verhältnis zum sehenden Mitmenschen. Zwar hat er bereits von hervorragendem Tastsinn gehört, aber er verneigt sich mit Hochachtung, wenn er sieht, mit welcher Akribie und Geschwindigkeit hier hochwertige, handwerkliche Arbeit geleistet wird. Die Fasern in einem Besen werden derart fest mit Draht in den vorgefertigten Löchern verankert, als ginge es hier um das reine Überleben eines Besens. 

 

Blindenarbeit aus der Blindenwerkstätte Betzdorf ist mit Freude erarbeitete Qualität. Sie darf nicht als arbeitstherapeutisches Produkt abqualifiziert werden. Sie erwerben hier kein „geklebtes Massenprodukt“ sondern helfen mit dem Kauf eines jeden Produktes auch in Zukunft jedem Menschen mit Handicap seinen verdienten Arbeitsplatz zu erhalten.

 

Zuletzt angesehen